Die mystische Tradition des Judentums nennt man Kabbala oder Kabbalah.

Tora als Ursprung

Die Kabbala geht zurück auf die Tora, die Heilige Schrift des Judentums. Auch in nicht üdischen Kreisen wird die Kabbala seit Pico della Mirandola praktiziert.

Die Kabbala besteht aus mehreren Überlieferungen und Schriften. In ihr finden sich auch gnostische, christliche und neuplatonische Bestandteile.\r\nDie Emanationslehre der orientalischen Kultur ist die Grundlage des kabbalistischen Systems: Alles, was Gott im Universum geschaffen hat, hat er auch am Menschen geschaffen. Aus dieser These wird das Weltbild der gegenseitigen Entsprechungen von Unten und Oben abgeleitet. Im Kabbalismus gibt es einen Makro- und Mikrokosmos. Die Obere Welt ist Vorbild der unteren Welt, jeder einzelne Mensch ist ein Abbild des Universums. Dabei hat die physische Gestalt des Menschen eine besondere Beudeutung. Gott selbst ist anthropormorph. Der göttliche Markokosmus ist vollkommen. Der Mensch als Mirkokosmos ist unvollkommen, aber nichtsdestotrotz ein Spiegelbild des Adam Kadmon, des himmlischen Urmenschen. Im kabbalistischen System ist der von Gott geschaffene Mensch ein Mittler, damit dieser durch die 10 geistigen Kräfte seine göttliche Kraft kann wirken lassen. Gott wird dabei als das Grenzenlose und Ewige angesehen.

10 Sephirot

Die 10 geistigen Kräfte werden auch die 10 Sephirot genannt. Sie durchdringen alle Ebenen des Seins und nehmen die Form des kabbalistischen Weltenbaumes ein. Der kabbalistische Weltenbaum ist mit dem darin eingebundenen Mensche der verkörperte Organismus des Universums. Der Mensch ist also in ein göttliches Universalsystem grundlegend verwoben. Daraus folgt eine gegenseitige Beeinflussungsmöglichkeit der göttlichen und menschlichen Seite: der Mensch wird durch universale Kräfte beeinflusst, kann diese aber auch selbst wieder beeinflussen. Genannt sei in diesem Zusammenhang die kabbalistische Wortmagie; hier kann durch das bloße Aussprechen von Begriffen unmittelbar auf das Wort benannte Einfluss genommen werden.

Die Beeinflussung geschieht – wie oft in der Mystik – durch den bewussten und selbst gelenkten Übergang in eine Form der Ekstase. Es ist somit ein Weg, den das Ich nimmt, um aus dem Körper zu gelangen. Die für diese Möglichkeit notwendigen Techniken werden in Geheimlehren dargestellt, studiert und „erfahren“, wobei erfahren in einem mystischen Sinn gemeint ist; sie geschieht initatisch. Die Geheimlehren wurden anfänglich nur mündlich, später aber auch schriftlich überliefert. Das hat zur Folge, dass der Lehrer – Schülerbeziehung in der Kabbala eine entscheidende Bedeutung zukommt.

Keine kabbalistische Dogmatik

Eine kabbalistische Erfahrung verwischt die Schranke zwischen Objekt und Subjekt. Es wird eine All-Einheit erfahren. Es existiert aber keine kabbalistische Dogmatik oder ein Lehrinhalt. Es gibt lediglich unterschiedliche kabbalistische Schriften und Schulen, keine allgemeingülige kabbalistische Lehre. Die Schriften beinhalten deshalb einen großen symbolischen Bereich. Wesentlich ist, dass kabbalistische Techniken vorhanden sind. Der letzte Schritt auf dem lurianischen kabbalistischen Weg ist die läuternde Verbreitung messianischer Erlösung der Welt der Kawwanah.

Jüdische Überlieferung

Nach der jüdischen Überlieferung gelang es nur vier Personen, den Weg ins Paradies zu finden. Und von diesen kehrte nur Rabbi Akiba ohne Versehrung zurück. Die Mehrzahl derjenigen, die den Weg gehen, können nur ein paar Tritte auf der Himmelsleiter gehen oder wenige Tore öffnen. Sie behalten jeoch ihre dadurch erlangten besonderen Potentiale und können sie sogar vererben (so die auÃßerbiblische Überlieferung). Dadurch entsteht der Segen – Beracha. Da die Gefahr des Missbrauchs besteht, muss der Schüler vor der Aufnahme geprüft werden. Unwürdige werden von den Würdigen separiert. Um dies zu können, wurde die Kabbalah in eine theoretische und praktische geteilt. Die theoretische Kabbala beinhaltet das System, die praktische Kabbala beschreibt mantische und magische Praktiken, etwa das Loswerfen oder das Amulettwesen.

Kabbalistische Techniken

Es existieren unterschiedliche kabbalistische Techniken. Die Methoden der hebräischen Schriftauslegung durch Mekubbalim sind Hermeneutik, also ein interpertierendes Verstehen, eine Deutung. Und hier existieren viele Deutungstechniken, etwa Albam, Temura, Atbasch. Es soll nicht die eine oder andere Wahrheit enteckt, sonden allein das kausale Denken überwunden werden. Die Konklusio ist: allein dem es gelingt, eingefahrene begriffliche Vorstellungen gedanklich zu überwinden, kann die Gefangenenzelle des Subjekts auflösen und hinausschweben.Es gib eine jüdische Kabbala, eine christliche Kabbala und eine hermetische Kabbala, heutzutage sogar eine Kabbala-Popkultur, die aber von den jüdischen Kabbalisten als Verfälschung abgelehnt wird.